Aus Neugierde wächst Können
GEGENÜBER: Tanja Kugler aus Hagenbach gehört am Klavier zu den deutschen Spitzentalenten
HAGENBACH. „Meine Beziehung zum Klavier begann einfach mit einer großen Neugier. Als kleines Kind war ich bei Eltern und Bekannten recht gefürchtet, weil ich alles kennenlernen und alles gleich ausprobieren wollte “, lacht Tanja Kugler aus Hagenbach. So saß sie als Sechsjährige ständig am Klavier und probierte mit Hingabe das Spiel an den weißen und schwarzen Tasten, obwohl eigentlich Mama Ping Kugler sich dieses Klavier als Erfüllung eines Jugendtraumes gekauft hatte. Das Kind gab keine Ruhe bis eine Klavierlehrerin gefunden war. Aus dem beharrlichen Probieren vor acht Jahren erwuchsen nun erneut Meisterehren, denn Tanja Kugler hatte sich auch dieses Jahr wieder über die Kreis- und Landesebene bis zum Bundesentscheid „Jugend musiziert“ qualifiziert und dort in ihrer Altersgruppe den dritten Platz erreicht.
Die Eltern und sogar ihr Klavierlehrer Randolf Stöck aus Mannheim hatten sie nach Neubrandenburg begleitet: „Sie fiebern ganz solidarisch mit, sind aber kurz vor dem Spiel mein absoluter Ruhepol.“ Bei Tanja zeigt sich mit Nervosität, viel Reden und Zappeln trotz bester Vorbereitung dann doch Lampenfieber. Schließlich konnte sie ihre Stücke frei wählen und von Bach die Toccata in e-moll, Etüden von Chopin und aus moderner klassischer Musik „Dancas Argentinas“ von Alberto Ginastera vortragen. Vorgeschrieben sind Werke aus verschiedenen Epochen und relativ unterschiedliche Stücke.
„Richtig fertig bin ich nach dem Spiel, man beginnt einfach zu zweifeln“, berichtet die 14-Jährige. „Da die Ergebnisse oft erst Tage später bekannt gegeben werden, kann man die Anspannung auch nicht richtig abbauen.“ So erfuhr Tanja erst drei Tage später - schon wieder zurück in Hagenbach - von ihrer erfolgreichen Platzierung.
Nicht nur am Klavierspielen interessiert: Tanja Kugler spricht fünf Sprachen, darunter Chinesisch, die Sprache ihrer Mutter. Das muss sie auch können, wenn sie ihre Verwandten in Shanghai besucht.
Trotz aller Meisterehren und Freude an der Musik, gibt es für die Gymnasiastin noch viele weitere Interessen. Sie malt gerne, trifft sich mit Freunden, pflegt viele Kontakte zu der großen Familie ihrer Mutter nach China, ist bei den Musikaufführungen ihres Europa-Gymnasiums Wörth aktiv. Sie hört auch recht gerne Pop-Musik - was sie eher als Vielseitigkeit beschreibt und keineswegs als Widerspruch zu ihren Lieblingskomponisten Frederic Chopin und Franz Liszt empfindet. Musik insgesamt bereichert natürlich ihr Leben. „Man kann damit prima Gefühle ausleben, wenn ich mal wütend bin, wähle ich laute Stücke und greife richtig fest in die Tasten “, lacht sie. Geübt wird etwa zwei Stunden täglich, „keinesfalls eine Pflichtübung - es gehört wie Essen oder Zähne putzen zum Alltag“. Ihre Eltern und ihren Lehrer bezeichnet sie als Förderer und Sponsoren. Schließlich fährt Papa Jörg sie einmal wöchentlich zum Klavierunterricht nach Mannheim. Zwang oder Vorschriften gibt es von Eltern und Lehrer keine. „Sie sind ganz locker, niemand will mich verbiegen. Mein Spiel ist spielerisch, ich bin nicht vom Streben nach höheren musikalischen Weihen geprägt.“ Deshalb ist auch vollkommen offen, ob Musik mal eine berufliche Option sein könnte. An musikalischen Wettbewerben wird Tanja weiterhin teilnehmen, ”weil man sich da richtig einschätzen lernt“. Und sie wird zusammen mit der ”Mitteldeutschen Kammerphilharmonie“ Konzerte geben, „weil ich schon immer mal im Orchester und nicht nur alleine spielen will“.
Als denkbare berufliche Idee bleibt Tanja neben der Musik auch ihre Begeisterung für Sprachen. Aufgewachsen ist sie mit Deutsch und Chinesisch. Sie lernt inzwischen Englisch, Französisch und Latein. Das sind keine schlechten Voraussetzungen in einer globalisierten Welt, zumal Tanja regelmäßig gute Kontakte zu ihrer Familie in Shanghai pflegt.
(VON MONIKA BÖGELSPACHER)
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